Nichts dem Zufall überlassen!

Wer die Anlage seines Vermögens nicht dem Zufall oder Beratern, die sich nicht selten dem Bonus als ihren Kunden verbunden fühlen, überlassen möchte, hat keine andere Wahl, als sich selbst die Fähigkeiten anzueignen, die für ein erfolgreiches Anlagenmanagement gebraucht werden. Nachhaltiger Erfolg aber wird sich nur für denjenigen einstellen, der in der Lage ist, aus der Flut der täglich sich ändernden Marktdaten die für die eigenen Anlagenentscheidungen relevanten Fakten herauszufiltern.

Aber auch den nötigen Mut aufzubringen, in einem negativ geprägten Umfeld zuzugreifen, ist eine wichtige persönliche Eigenschaft für Erfolg. Für den Laien existieren oft nur zwei Aggregatszustände, nämlich gute und schlechte Entscheidungen danach zu beurteilen, ob Gewinne oder Verluste gemacht wurden. Wenn es aber keine Strategie gibt, aus Verlusten zu lernen, dann wird ein wesentliches Element der Erkenntnis, wie und warum ein Gewinn zustande gekommen ist, nicht genutzt. Künftige Gewinne werden zur Glücksache degradiert. Fähigkeiten der Selbstanalyse, die Fähigkeit fremde Hilfe anzunehmen, die Fähigkeit und der Wille, ebenslang zu lernen, schaffen Potenziale, die notwendig sind, um strategisch fokussiert neue Wege zu gehen.

Vergleichbar einem Finanzvorstand, der mit dem knappen Gut der Liquidität Tag für Tag planen muss, so trifft auch der Trader, Vermögensverwalter oder Treuhänder seine Entscheidungen selbst, und niemand anderer kann zur Verantwortung gezogen werden. Wird mit Kredit gearbeitet? Wie wird eine Balance zwischen Cash und Investment definiert? Wie schützt sich der Endscheider gegen positive und negative Stimmungen auf dem Markt? Die richtige Asset Allocation als wesentliche treibende Kraft zwischen Risikomanagement und Performance ist eines der entscheidenden Kriterien für den Börsenerfolg. Erfahrene Trader berichten immer wieder, wie wichtig Disziplin für den Handelserfolg sei. Ein wesentliches Hilfsmittel, vor dem Bildschirm nicht die Fassung zu verlieren oder sich von Markteuphorie oder Pessimismus anstecken zu lassen, sind schriftlich formulierte Handelsregeln. Deren Übertretung darf keinesfalls mit Gewinn eine Rechtfertigung ad postum erfahren. Der Zweck heiligt auch im Handel nicht die Mittel. Woran mag es liegen, dass im Durchschnitt 80 Prozent der Trader mit ihren Verlusten die Gewinne der restlichen 20 Prozent bezahlen? Was machen die 80 Prozent falsch, und was die restlichen 20 Prozent richtig?

Es kommt immer wieder vor, dass gute Handelsergebnisse eines Monats aus falschem Ehrgeiz innerhalb weniger Minuten aufs Spiel gesetzt werden. Solch risikobehaftetes und undiszipliniertes Handeln spricht Bände über die tatsächliche Qualifikation eines Traders. Er gefährdet nicht nur die Zielsetzung der ihm anvertrauten Kundengelder, sondern häufig auch seine eigene Existenz.

Kein Lkw-Fahrer mit Erfahrung würde versuchen, mit voller Beladung einem Tier auf der Straße auszuweichen. Er ist sich seiner Verantwortung für Ladung, Fahrzeug und andere Verkehrsteilnehmer bewusst. Nicht die hektischen Märkte sind schuld, wenn die Verluste außer Kontrolle geraten, sondern der Mangel an Handelsdisziplin. Stellen Sie sich vor, ein Patient wird mit unbekannten Symptomen, Gliederschmerzen und 40 Grad Fieber in das nächste Kranken haus eingeliefert. Unverzüglich werden die besten Medikamente und neueste Antibiotika ausprobiert, bis es dem Patienten wenige Tage später schlagartig besser geht. Erfreulich, die Therapie war erfolgreich, aber leider wurde nicht allzu viel Wert auf eine Patientendokumentation gelegt.

Weder wurden die Daten für Körpertemperatur und Blutwerte täglich aufgezeichnet, noch weiß man im Nachhinein genau, wie viele Tabletten, Tropfen oder Infusionen dem Patienten von der Wunderdroge verabreicht wurden. Der Patient fühlt sich wieder gut, und das muss reichen, bis zum nächsten Mal. So oder so ähnlich werden täglich im Trading Millionen von Euro, Dollar und Schweizer Franken auf Spiel gesetzt, nur dass das Ergebnis nur selten so gut ausfällt wie bei unserem Patienten. Legen Sie sich also ein Logbuch zu und dokumentieren Sie Ihre Erfolge und noch wichtiger – Ihre Fehler – nur so können Sie lernen! Ziel einer klaren Strategie muss es sein, Investitionen mit einer angemessenen Rendite abzuschließen und generell größere Verluste zu vermeiden.

Gemäß der grundlegenden Börsenweisheit »Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen« kommt es daher darauf an, für jede Transaktion die richtige Ausstiegsstrategie zu finden. Das gilt für Gewinn-Positionen genauso wie für die im Verlust liegenden. Negativ laufende Investments müssen rechtzeitig und konsequent abgestoßen werden. Positive Transaktionen gilt es dagegen, möglichst optimal, also vor allem nicht zu früh, zu schließen. Unter dem Strich muss der Investor mit Gewinnpositionen mehr Geld verdienen, als er mit den Verlustbringern verliert. Folglich gilt es für Anleger, sich mit einer klaren Exitstrategie sowohl auf die aus dem Chartverlauf erwartete positive Kursentwicklung als auch für das Gegenteil optimal vorzubereiten.

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